Warnung vor „best in class“-Ansatz

Im Bereich ethsich-grüner Geldanlagen ist viel vom „best in class“-Ansatz die Rede. Das bedeutet, dass das Unternehmen zu einem „ethisch“ sauberen Investment erklärt wird, das im Hinblick auf bestimmte ethisch-ökologische Kriterien die in seiner Branche besten Ergebnisse vorweisen kann. Ist es dabei schon fraglich, dass in aller Regel nur sehr schwache und auch nur vereinzelte ethisch-ökologische Kriterien geprüft werden, so kommt es noch schlimmer.
Beim „best in class“-Ansatz ist keine Branche – selbst Rüstungshersteller, Ölkonzerne, Pharmagiganten und Autohersteller nicht. Privatanleger finden Firmen, die sie wohl kaum in einem Ökofonds vermuten würden, etwa den Energiegiganten RWE, Deutschlands größten Betreiber von klimaschädigenden Braunkohlekraftwerken. Auch Porsche und Daimler dürfen sich mit dem Aushängeschild „nachhaltig“ schmücken. Ebenso der französische Pestizidhersteller und Gentechnikkonzern Syngenta. BP gilt sogar als „Top Ten Investment“ in 13 Ökofonds. Die Briten, die sich passenderweise auch ein neues Image zugelegt haben – „Beyond Petroleum“ (jenseits von Öl) statt „British Petroleum“ – besitzen zwar eine Solar-Sparte und gehören damit zu den Marktführern in Deutschland. 2004 trug das Geschäft mit den azurblauen Zellen jedoch gerade einmal 1,4 Prozent zum Gesamtumsatz bei, aktuellere Zahlen will der Konzern nicht mitteilen.
Der große Vorteil für die profitorientierte Geldwirtschaft ist beim „best in class“-Ansatz, dass sich damit praktisch jedes noch so profitgetriebene, umweltverbrecherische, sozialschädliche etc. Unternehmen in ein „sauberes“ umargumentieren lässt. Die Sarasin-Bank bringt z.B. SIEMENS ins Spiel. Zwar ist die von Skandalen erschütterte Firma am Atomkonzern Areva beteiligt, aber zugleich baut sie ihr Windkraftgeschäft massiv aus. „Kein Unternehmen ist perfekt“, sagt Bilicen von Sarasin. Und selbst Stefan Rostock von Germanwatch, nicht gerade ein Freund von Großkonzernen, gibt sich überraschend nüchtern: „Man hat eine höhere Lenkungswirkung, wenn man ein großes Unternehmen bewegt anstatt viele kleine.“ Zudem würden Anleger beim „best in class“- Ansatz von einem niedrigeren Risiko profitieren. Denn sie würden ja derart in sogenannte „Blue Chip“-Werte, also große international tätige Konzerne mit hohen Börsenumsätzen, investieren, die nur mit geringer Wahrscheinlichkeit pleite gehen.
Das Öko-Engagement kleinerer Firmen wird derart sogar zynisch zum Nachteil: Große Konzerne garantieren langfristig ein stabileres Investment, als wenn man auf eine kleine Firma setzt, die schon bei einem geringen Management- oder Produktfehler ins Trudeln gerät.
Vielen Anlegern geht so viel Pragmatismus dann doch zu weit – auch, weil unklar ist, nach welchen Kriterien eine Firma es eigentlich in einen Ökofonds schafft. Philipp Mimkes von der „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ warnt vor dem „greenwashing“ der Marketingabteilungen. Der Leverkusener Chemiegigant Bayer brüstet sich etwa damit, seine Kohlendioxidemissionen seit Anfang der 90er-Jahre um 70 Prozent reduziert zu haben. In acht Nachhaltigkeitsindizes hat er es geschafft. „Dabei basierte die Reduzierung einfach nur auf Firmenverkäufen“, sagt Mimkes, „bei so etwas fragen Ökofonds aber nicht nach, da hätte ein Anruf bei uns genügt.“
Auch die „Kritischen Aktionäre“ beobachten die Flexibilität einiger Fondsmanager mit Skepsis. Der Verein lässt sich von Privatleuten Aktienstimmrechte übertragen, um bei Hauptversammlungen medienwirksam Druck zu machen und etwa bessere Umweltschutzstrategien einzufordern. „Man muss sich vor der Illusion hüten, dass BP nur in erneuerbare Energien investiert, weil Ökofonds dort Druck gemacht haben“, sagt Vorstandsmitglied Bernd Moritz, „das hat rein wirtschaftliche Gründe und nichts mit wirklichen Überzeugungen zu tun.“
Wer sich die Mechanismen am Aktienmarkt genau anschaut, muss ihm Recht geben. Denn der Einfluss der Ökofonds macht sich nur sehr indirekt bemerkbar: Durch die wachsende Nachfrage nach dem Papier steigt der Aktienkurs, dadurch nimmt die Kreditwürdigkeit des Unternehmens gegenüber Banken zu, und es erhält leichter Fremdkapital für Neuinvestitionen. Das können gerade die grundsätzlich klammen, aber innovativen „Newcomer“ gut gebrauchen. Doch nur weil ein Ökofonds Anteile kauft, ändert sich die Geschäftspolitik der Firma noch lange nicht.
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Dieser Bericht zitiert umfangreich Texte eines Beitrags im greenpeace magazin.

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