Rating-Agenturen: Private Profite per Gesetz

Bekanntlich waren die drei großen Rating-Agenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch Mitverursacher der großen Finanz- und Wirtschaftskrise, die 2007 die Welt an den Rand des Ruins trieb. Ihre Falschbeurteilungen hatten die Spekulationen der Banken, Versicherungen, Hedgefonds und Konzerne legitimiert und beschleunigt.
Nach 2007 sollten die Agenturen zerschlagen oder reformiert werden. Doch nichts dergleichen geschah. Sie müssen also mächtige Freunde in höchsten staatlichen Positionen haben.

Schlimmer noch: Inzwischen wurde die Benotung von Unternehmen, Banken, Städten, Staaten, Aktien und Wertpapieren durch die privaten Rating-Agenturen in nationalen Gesetzen und internationalen Vereinbarungen verankert. In den Abkommen Basel I (1988) und Basel II (2007) wurde das Ratingsystem für alle kapitalistischen Staaten verbindlich gemacht. So findet es sich inzwischen in den Statuten der deutschen Finanzaufsicht BaFin ebenso wie in den Maßgaben der Europäischen Zentralbank (EZB). Und stets gehen die Aufträge an die großen Drei.

Doch wem gehören diese Agenturen eigentlich? Der größte Aktionär ist der Hedgefonds Capital Group. Der Hedgefonds Blackrock ist der zweitgrößte Eigen­tümer. Es folgen die Hedgefonds Vanguard, State Street und T. Rowe Price. Danach kommen mit kleineren Anteilen auch einige große Banken und Versicherungen.
Die Agenturen präsentieren sich als „unabhängige Instanzen“, die „rein wissenschaftlich“ ihre „objektiven“ Ratings erstellen. Doch das geht überhaupt nicht. Bereits die Struktur der Agenturen verbietet das: Die Manager und Angestellten eines kapitalistischen Unternehmens haben bei Strafe des Rauswurfs die Interessen ihrer Hauptaktionäre durchzusetzen.

Die „großen Drei“ sind ausführende Instrumente von Hedgefonds und Investmentbanken. Sie verfestigen in dramatischer Weise die Herrschaft der Hedgefonds und Banken über Unternehmen, Staaten, Volkswirtschaften und Kommunen.

Die Folgen sind verheerend: Enteignung von Unternehmen, Staaten, Rechtsansprüchen von Beschäftigten und Bürgern. Aber auch Entdemokratisierung und Etablierung autoritärer Regimes.
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Dieser Artikel stützt sich auf das soeben erschienene Buch des Journalisten Werner Rügemer: Ratingagenturen – Einblicke in die Kapitalmacht der Gegenwart, transcript Verlag.

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