Konzerne an Schulen: Erlernte Verantwortungslosigkeit

Den Schulen in Deutschland geht es schlecht. Von den in der Regel gut finanzierten Gymnasien einmal abgesehen leiden viele Schulen unter chronisch klammen Kassen. Das wissen viele Konzerne für sich zu nutzen und bieten kostenlose Unterrichtsmaterialien für den Unterricht an. Wie weit der Einfluss von Unternehmen ins Bildungswesen reicht, haben eine Reihe von Studien in der letzten Zeit beleuchten können. Schon 2006 schlug die OECD in der PISA-Studie Alarm, dass 87,5 Prozent der 15-jährigen in Deutschland in der Schule Beeinflussung durch Banken und Konzerne ausgesetzt sind – der europäische Durchschnitt liegt bei 63,7 Prozent. Zumeist findet diese Beeinflussung durch Unterrichtsmaterialien statt. Die Schulbücher sind oft veraltet und wenig attraktiv aufgemacht, da kommen die von Werbeagenturen schick aufgemachten und kostenlosen Bücher von unternehmensnahen Stiftungen vielen LehrerInnen gerade recht. Dabei gilt die Aufmerksamkeit ganz klar den Fächern mit Bezug zu politischer Bildung oder den Sozialwissenschaften. So heißt es dann in einer Publikation der Bundesarbeitsgemeinschaft SchuleWirtschaft: „[…], dass der Sozialstaatsgedanke in der Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahren vielfach überstrapaziert worden ist und der Umbau der Sozialsysteme dringend notwendig geworden ist.“ Der Beutelsbacher Konsens, dass SchülerInnen Themen kontrovers und vielseitig behandeln sollen wird hier in den Wind geschlagen. Die Beeinflussung hört allerdings nicht bei den Schulbüchern auf. Vermehrt kommen auch direkt Konzernvertreter zu den SchülerInnen, im Rahmen von Informationsveranstaltungen und Planspielen. Eines davon ist das Planspiel „Schulbanker“, in dem Teams aus SchülerInnen Ihre imaginären Banken möglichst profitabel führen sollen und sich gegen die anderen Teams behaupten müssen. Dabei geht es um Themen Kredite, Aktien oder Personalführung – bezeichnenderweise jedoch nicht im geringsten um soziale oder ökologische Folgen der eigenen Handlungen. Wer skrupellos agiert, gewinnt. Beste Gründe also, um die Konzerne aus den Schulen zu verbannen, denn gerade die kommenden Generationen müssen die großen Herausforderungen, wie Klimawandel oder den weltweiten Hunger bewältigen und dürfen nicht der Konkurrenz- und Profitlogik verfallen.

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