Aktiengeschäfte: Schöne, neue Welt

Geschrei und wildes Gestikulieren auf der Fläche, hektisches Telefonieren mit Anlegern und CEO’s am Rande, aalglatte Broker und Geschäftsleute: So stellen wir uns fast alle das Treiben an den Börsen vor. Wer nach Frankfurt fährt und sich dort umschaut wird solche Bilder sehen können. Und doch trügt der Schein: Ein Großteil des Aktiengeschäfts läuft längst völlig automatisiert, die Käufe und Verkäufe werden von Großrechnern geregelt, die Daten aus aller Welt analysieren und blitzschnell Millionen und Milliardenbeträge verschieben. Von Ethik und Moral, ja schon bei Börsianern eine Mangelware, verstehen sie nichts.

Ein kurzer Rückblick: In den 1970ern verblieb eine Aktie an der New Yorker Börse im Schnitt sechs Jahre in der selben Hand, ehe sie wieder verkauft wurde. Bis zum Jahr 2007 schrumpfte dieser Zeitraum auf ein Jahr. Im Hochfrequenzhandel liegt die durchschnittliche Haltedauer einer Aktie heute bei gerade einmal 22 Sekunden! Und gut 50 Prozent des Aktienhandels in Deutschland fällt in den Bereich des Hochfrequenzhandels. Dabei analysieren Großrechner ständig die wirtschaftliche Gesamtlage und aktuelle Nachrichten. Jede noch so kleine Nachricht kann eine Kauf- oder Verkaufentscheidung nach sich ziehen. Es geht darum, winzige Wertschwankungen bei den Aktien zu nutzen, oft unterhalb des Centbereichs. Die Auswirkungen können fatal sein, kein Mensch überprüft die Entscheidung der Computer. Das Wohl wir einer Maschine anvertraut, die ausschließlich darauf Programmiert ist, den Profit ihres Besitzers zu erhöhen. Bei Geschäften, bei denen selbst hartgesottene Börsianer Albträume bekommen, ist beim rechnergestützten Hochfrequenzhandel noch lange nicht die Fahnenstange erreicht.

Als zum Beispiel Unbekannte im Anfang 2013 den Twitteraccount eines amerikanischen Nachrichtensenders hackten und die Falschmeldung veröffentlichten, es habe mehrere Explosionen im Weißen Haus gegeben, reagierten die Rechner sofort. Innerhalb von Sekunden brach der DowJones-Index um hundert Punkte ein, weil die Rechner nicht zwischen einer Ente und echten Nachrichten unterscheiden konnten. Als die Aktion aufflog, normalisierte sich der Kurs umgehend wieder, nur waren zwischenzeitlich etliche Existenzen ruiniert worden.

Der Hochfrequenzhandel verkörpert das kapitalistische Prinzip für Profit über Leichen zu gehen in Reinform. Auf der Jagd nach immer höherenRenditen werden soziale und ökologische Standards über Bord geworfen. Dazu eine Alternative zu bieten ist ProSolidar angetreten. Die Einlagen bei ProSolidar werden dem kapitalistischen Geldkreislauf so weit wie möglich entzogen und finanzieren stattdessen ökologie- und sozialpolitische Projekte. Daher unser Motto: „Leben statt Profit“.

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